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11/01/2010

Business Class in Paris: US-Künstlerin Nicole Cohen zeigt neue Arbeiten

Nach der Ausstellung „Rap Rococo“ 2007 präsentiert die amerikanische in Berlin lebende Künstlerin Nicole Cohen nun „Business Class“ in der Galerie La B.A.N.K in Paris bis 13. Februar 2010. Für diese zweite Ausstellung in ihrer Pariser Galerie erforscht Nicole Cohen den Begriff der funktionellen Psychologie und die Bestimmung einer Ästhetik des Selbst durch die Konzeptualisierung und die Formalisierung des Erscheinens.

"Plakat zur Ausstellung"]Plakat zur Ausstellung

In der Galerie La B.A.N.K. sind circa 30 Collagen und ein Video wie eine Filmmontage in den Räumlichkeiten von der Künstlerin gestaltet worden. Die Subjekte der Bilder, Frauen und Männer aus den 50er Jahren, interagieren durch ihren Blick und ihre Posen miteinander und untereinander und schaffen eine fassbare Kinematik, die Erzählung und die phänomenologische Erfahrung beschreibt. Der Effekt wird durch die von der Künstlerin geschriebene und auserwählte Wandtexte unterstrichen. Die für die Collagen benutzten Bilder sind Werbungen aus Magazinen längst vergangener Jahre. Die Personen, gezeichnete Modelle - glamouröse und elegante Geschäftsleute, wie man sie aus klassischen Hollywoodfilmen der 50er kennt - werden in einen raumzeitlichen Rahmen, ins Heute „teleportiert“. Das schwarze gitterartige Papier, das die Künstlerin über die Modelle angebracht hat, umrahmt die Figuren und verschleiert auf eine Art die Lektüre der Werke und den Übergang der Vergangenheit in die Gegenwart.

Ausstellungsansicht Business Class © N. Cohen"      Ausstellungsansicht Business Class © nicole cohen

Das aktuelle Video von Nicole Cohen verfolgt die systemische Interpretation des „in between“. Aus einem Tunnel oder von einer Straße aus in der Nacht gefilmt, flitzen die glitzernden Lichter von Straßenlaternen wie funkelnde Diamanten an uns vorbei, wie der Widerschein der fulminanten Bestimmung und Vorwegnahme, die die Geschäftswelt, die Business Class, scheinbar inspiriert.

Die Künstlerin sieht in ihrer Abstraktion den Erfolg, die grandiosen Ziele und auch die vorübergehenden Ängste in dieser Geschäftwelt. Der Titel „Yard“ eines der Werke bezeichnet in der amerikanischen Umgangssprache eine Milliarde Dollar, eine Summe, die nur für Auserwählte bestimmt ist. 

Nicole Cohen, You can do it, 2009, Collage, 20 x 29 cm © N.Cohen"Nicole Cohen, You can do it, 2009, Collage, 20 x 29 cm © N.Cohen 
Nicole Cohen, Jetlag, Videostill, 2008 © N. Cohen"
Nicole Cohen, Jetlag, Videostill, 2008 © nicole cohen

Nicole Cohen, Jetlag, 2008, Videoinstallation © N.Cohen"Nicole Cohen, Jetlag, 2008, Videoinstallation©N.Cohen

Nicole Cohen arbeitet häufig mit einem Fundus von Bildern aus der Vergangenheit, ob aus Modemagazinen wie hier oder Magazinen für Innenarchitektur und Wohnausstattung. Für ihre Videoinstallationen verwendet sie bis heute meistens Interieurs aus der Vergangenheit, in denen sie gefilmte Menschen aus dem Heute in ein „vergangenes“ statisches Bild, ein kleines Foto eines Interieurs, mit einem Projektor in der angepassten Größe des Interieurs beamt. Die kleinen „echten“ Figuren tanzen und bewegen sich in „fiktiven“ Räumen.

In ihren aktuellen Werken arbeitet sie nun fast umgekehrt: die Menschen der Vergangenheit, hier gezeichnete, statische Modelle aus den 50er Jahren, werden in einem neuen Kontext, mit Text, in die Gegenwart „kontextualisiert“. Eine neue Weise zu arbeiten und eine klug konzipierte Einzelausstellung in der Galerie für zeitgenössische Kunst, La B.A.N.K, nicht weit vom Centre Georges Pompidou im Zentrum von Paris.

2010 wird ein fruchtbares Jahr: Nicole Cohen zeigt eine Soloshow in Los Angeles im Rio Hondo College und wird an mehreren Gruppenausstellungen teilnehmen. Zudem erhält sie ihren ersten Auftrag aus Budapest.

Nicole Cohen zählt schon einige große Ausstellungen in den USA: "French Connection" (2009), "40-Love" (2003) und "Fantasy Space & Crystal Ball : Dreamhouse" (2000) in der Shoshana Wayne Gallery in Kalifornien oder "How to Make Your Windows Beautiful" (2005) in der Galerie Stephen Stoyanov in New York. Sie war in Gruppenausstellungen in Deutschland, Japan, Norwegen, Südkorea und China vertreten.

point-of-view-talkDrei Einzelausstellungen fanden in Museen statt: "My Vie En Rose" (2003) im Williams College Museum of Art in Williamstown, Massachusetts, "Please Be Seated" (2007-2009), eine Videoinstallation, die im Auftrag des J. Paul Getty Museum in Los Angeles geschaffen wurde und die dritte findet erst im Januar 2011 statt: "Circles and Beamers" im Katzen Art Center Museum in Washington, D.C.

20/08/2009

Erotische Werke von George Grosz aus Berlin verschwunden

Die Sonderschau „George Grosz und die Erotik“ auf der Expressionale 2008 am Potsdamer Platz war erst ab 18 Jahren zugänglich. Schwerpunkt dieser Ausstellung war das Spätwerk des sozialkritischen Berliner Künstlers George Grosz, seine erotischen Werke. Die Ölbilder, Tuschzeichnungen und Aquarelle entstanden im amerikanischen Exil ab Ende der 1930er Jahre. Ein Jahr nach der Ausstellung kommt die Meldung: Vier Werke aus Berlin sind verschwunden.

Im Exil in New York erhielt Grosz einen Lehrauftrag an der New Yorker Art Students League. Seine anfängliche Begeisterung für das Land ließ schnell nach: „Dies ist kein Land für Träumer – hier wird nur gearbeitet“, schrieb der Künstler nach seiner Übersiedlung. Er besaß jahrelang wenig Geld und überlebte dank seines Lehrauftrags. In den frühen 1950er Jahren versank er in Pessimismus und kämpfte gegen Depressionen, die er mit Alkohol zu ertränken versuchte. 1958 kehrte der Künstler desillusioniert und krank in seine Heimatstadt Berlin zurück und starb nur ein Jahr später.

Obwohl sich George Grosz zeitlebens mit der Erotik beschäftigte, brachte der Aufenthalt in New York eine besondere Qualität für seine erotischen Werke. In der amerikanischen Gesellschaft stießen sie in den 1940er-50er Jahren jedoch auf Ablehnung, sie schockierten die Amerikaner.

Mit schwarzer Tuschfarbe oder Aquarell malte Grosz z. B. Frauen mit überdimensioniertem Penis, als Zwitter, sowie Rückenakte mit Blick auf Po und triefender Scheide oder Frauen mit dem Maler „vereinigt“.
Seine Arbeiten sind nicht als pornografisch einzuordnen, meint der Galerist, Experte, Sammler und Zeichner Florian Karsch von der bekannten Galerie Nierendorf in Berlin. Es sind intime Bekenntnisse des Künstlers, im Grunde sogar Treuezeugnisse, denn die abgebildeten Frauen tragen Züge seiner Ehefrau und deren Schwester.

"Eines der verschwunden Werke: George Grosz, Kauernder Rückenakt nach links und sitzender Maler, Öl und Mischtechnik auf festem Aquarellbütten, 355 x 507 mm, um 1940, Sammlung Karsch-Nierendorf"
George Grosz, Kauernder Rückenakt nach links und sitzender Maler, Öl und Mischtechnik auf festem Aquarellbütten, 355 x 507 mm, um 1940, Sammlung Karsch-Nierendorf

„Grosz thematisiert in diesem späten erotischen Werk Traumata. Das Thema „Kastrationsangst“ führt zu zweigeschlechtlichen Frauendarstellungen. Er arbeitet mit der in der Psychologie gängigen Ambivalenz einer „Lust-Angst“ oder einer „Hass-Liebe“ und vergrößert sie bis ins maximale Bildvolumen, um sodann den „Schock des Betrachters“ durch die Bildung eines Fetischs abzumildern“, schreibt der Kurator Joachim Leipski im Katalog der damaligen Ausstellung „George Grosz und die Erotik“ auf der Expressionale 2008. Joachim Leipski alias Joachim Train verschwand spurlos nach der Expressionale.

Er hinterließ einen Schuldenberg von 400 000 €; hinzu kommt, dass vier Aquarelle der erotischen Werke George Grosz aus der Sammlung Florian Karsch verschwanden, die angeblich über die damalige ausführende Firma der Expressionale einem Spanier verkauft wurden. Einem fiktivem Spanier, wie sich herausstellen sollte. In welchen Händen sich nun, ein Jahr später die vier erotischen Blätter befinden und wo der Kurator untergetaucht ist, ist jetzt ein Fall des LKA Berlins.

Ein am 18.08.2009 in der Berliner Zeitung erschienener Artikel berichtet ausführlich über diesen Kriminalfall.

20/03/2009

Charlotte Roches Bestseller endlich auch "Zones humides"

Der Bestseller von Charlotte Roches „Feuchtgebiete” erschien am 6. März in Frankreich. Die Rechte wurden an 27 Länder verkauft, nun darf Frankreich das Buch lesen. Hervorragend übersetzt von Claire de Oliveira („Avidité“ von Elfriede Jelinek; Preis Gérard de Nerval für literarische Übersetzungen 2004) erschien „Zones humides“ in einer Auflage von zunächst 27 000 Exemplaren.

Deutschland hat die Diskussion um „Feuchtgebiete” und den erstaunlichen Erfolg eines anrüchigen Romans überstanden. Nun steht Frankreich vor einer Debatte über „Hämorrhoiden und Körperflüssigkeiten“, über die Selbsterkundung der weiblichen Körperhöhlen und den Sinn von Intimrasuren, aber womöglich nur, wenn das Buch den gleichen Erfolg haben wird.

Der deutsch-französische Kultursender Arte versuchte am Abend zuvor, am 5. März mit der Doku „Feuchtgebiete erforschen” zu erkunden, wie unsere Nachbarn auf die Überschreitung der Ekelgrenzen reagieren werden und welche unterschiedlichen Wahrnehmungen die Deutschen und Franzosen haben, sei es auf gesellschaftlicher Ebene oder aus der Sicht der Frau.

„Die Franzosen sind viel schamhafter als die Deutschen”, konstatiert etwa Schriftsteller Frédéric Beigbeder, der sich auf die Seite der Autorin schlägt. „Sie bekämpft genau wie ich die Werbung.” Fernsehstar Harald Schmidt sagt, er nennt den Roman einen „Schlag in die Perfektionsmaschine einer Heidi Klum”.

Die Französinnen werden in der Heimat der großen Couturiers mehr als die Deutschen vom Druck der Modewerbung beeinflusst, in der kein überflüssiges Körperhaar und kein Pickelchen zu sehen sein darf. Und die Franzosen verhalten sich schamhafter, in den öffentlichen Duschen von Schwimmbädern, z.B. ziehen sie nicht den Badeanzug aus. „Zones humides” dürfte es schwerer haben, das Herz der Franzosen zu erobern. Denn während Deutschland das Gesicht von Charlotte Roche aus dem Fernsehen und den Medien schon kannte, ist sie in Frankreich unbekannt.

[caption id="attachment_903" align="alignright" width="300" caption="Charlotte Roche © K.Hermann "]Charlotte Roche © K.Hermann[/caption]

Roches Themen erschrecken die Franzosen nicht sonderlich. Als „pornografische“ Bücher mit gewagtem Inhalt sind „Lolita“ von Vladimir Nabokov und “Der Dieb“ von Jean Genet in Erinnerung. Anais Nins „Das Delta der Venus“, auch Gustave Flauberts „Madame Bovary“ sowie die Wendekreise von Henry Miller haben für literarische Sensationen, Verurteilungen und zum Teil für Verbote gesorgt. Charlotte Roche wird so schnell keine Französin und keinen Franzosen „moralisch“ erschüttern.

Das Buch wird in Frankreich von einer aufwendigen Werbekampagne begleitet. Das Cover zeigt hier ein verschwommenes Frauengesicht, gar sinnlicher als die deutsche Version mit Pflaster. Die französische Presse reagierte schon damals auf den unglaublichen Erfolg in Deutschland, nun berichten Tageszeitungen, aber vor allem Modezeitschriften über „Zones humides“.

Das berühmte „Elle-Magazin“ veröffentlichte am Tag der Herausgabe einen langen Artikel, indem Charlotte Roche als eine Autorin voller Humor und Talent gelobt wird. Aussagen wie: „Wäre ich nicht so verklemmt, hätte ich nie das Bedürfnis gehabt so einen Text zu schreiben“ und Erläuterungen zu ihrer Biografie bezeugen ein intimes Gespräch zwischen Elle-Journalistin und Autorin. Bei den vielen Lesern und vor allem Leserinnen der Zeitschrift, ist die Vorstellung der Bestseller-Autorin eine vorzügliche Werbelokomotive für das Buch.

Leider konnte die Autorin nicht zur geplanten Pressekonferenz am 12. März nach Paris kommen, wo wichtige Fernsehauftritte wie z.B. bei Canal+ geplant waren.

Wir werden einige Zeit abwarten müssen, um wirklich zu erfahren, wie die Franzosen auf „Zones humides“ reagieren, denn Mundpropaganda braucht seine Zeit. Doch der Geschmack der Franzosen für Skandale, Sex und People sowie ein gewisser teils trockener, teils anzüglicher Humor passt eigentlich sehr gut zu „Zones humides“.

05/03/2009

BOUROUINA GALLERY: dynamisch und schön frech

Am 2. Mai 2008 eröffnete die Französin Amel Bourouina ihre BOUROUINA GALLERY in Berlin-Kreuzberg. Gegenüber dem Arbeitsamt und neben einem Supermarkt, kann man diese traumhafte Ausstellungsfläche von 200 m2 in der Charlottenstraße entdecken, wenn man die Tür in der blickundurchlässigen Fensterfront öffnet.

Von Beginn an setzen sich ihre Ausstellungen von den gewöhnlichen, klassischeren Galerie-Ausstellungen ab: sie fördert vorwiegend junge Künstler, die eine radikale und dynamische Position vertreten und öffnet ihren Raum für „thematische Experimente“.

01/03/2009

Die Paris-Berlin Verbindung auf poetischem Weg

Premiere in Berlin: Der Frühling kommt und somit die Poesie! Dieses Jahr findet zum ersten Mal der „Printemps des Poètes“ (der „Frühling der Dichter“) in Berlin statt (02. bis 15. März 2009). Das Konzept dieses Festivals kommt aus der Hauptstadt Frankreichs, wo sich der Pariser Verein „Printemps des Poètes“ seit zehn Jahren für die Verbreitung und Vermittlung von Poesie einsetzt: z.B. durch Unterstützung von Dichtern bei Veröffentlichungen, Archivierung von Poesie sowie poetischen Aktionen, Ausbildung von Bibliothekaren und Lehrern.

Jedes Jahr wird zu diesem Fest der Poesie mit einem vorgegebenen Thema aufgerufen. Das Thema 2009 ist „en rires“ („darüber lachen/zum Lachen“). Und jeder kann daran teilnehmen: Privatpersonen, Schüler, Vereine, Berufsgruppen, kulturelle Institutionen. Ziel ist, dass jeder selbst zum Poesie-Botschafter wird.

In Berlin wurde der Printemps des Poètes Berlin09 von der Kulturmanagerin Catherine Launay initiiert und mit der Unterstützung der Poesie-Vermittlerin Nicola Caroli weiterentwickelt. Durch ein gutes Netzwerk, neue Kontakte und Mundpropaganda konnten sie in kurzer Zeit - ohne Sponsoren, ohne Institutionen, nur mit Hilfe ehrenamtlicher, engagierter, poesieliebender Mitarbeiter und Organisationen - mehr als 50 Aktivisten gewinnen.

Ein alternatives, spontanes Festival also, das der Lyrikliebhaber an mehreren Orten in Berlin entdecken kann und das sich als internationale und interdisziplinäre Aktion versteht. Sie will anregen, über Poesie zu reflektieren und lädt ein, unterschiedliche Vorstellungen, Auffassungen und Formen von Poesie auszudrücken: Was ist Poesie? Was kann Poesie alles sein? Was ist für Euch poetisch? Wie möchtet Ihr Euch mitteilen? Wie kann sie die Menschen erreichen?

[caption id="attachment_680" align="alignleft" width="317" caption="Street Note von Cécile Belmont, Berlin"]Street Note von Cécile Belmont, Berlin[/caption]Eine breite Palette an poetischen Aktivitäten wird angeboten: Private und öffentliche Aktionen, spontane Happenings, mehrsprachige Lesungen, Installationen, Aktionen im öffentlichen Raum oder organisierte Workshops für Jugendliche und Erwachsene sowie Ausstellungen und Veranstaltungen auch in mehreren Sprachen. Eine Aktion kann eine Minute dauern, eine einmalige Veranstaltung sein oder sich über volle zwei Wochen hinziehen.

Es können sich neben dem feststehenden Programm durchaus Parallelprogramme entwickeln: das von begeisterten Zuschauern, die selber zu Akteuren werden.  Der Printemps des Poètes Berlin09 ist offen für alle und wird vielleicht – online - über den 15. März andauern.

Machen Sie mit, werden Sie selber zum Dichter: senden Sie Ihre poetischen Nachrichten per Internet auf den Poesie-Anrufbeantworter, schicken Sie Fotos von ihren Magnetbuchstaben-Gedichten auf dem Kühlschrank oder hinterlassen Sie Ihre Reime auf Notizzetteln in den Poetry Collecting Boxes an öffentlichen Orten wie Cafés, Bioläden oder Galerien im Reuterkiez, Berlin-Neukölln.
Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf, was Poesie ist, was poetisch ist, bestimmen Sie!