Friedensreich Hundertwasser - graphic works from 1951 to 1992
8.03.2008 -13.07.2008
Kulturstiftung Schloss Britz, Berlin
Die Ausstellung im Schloss Britz präsentierte circa 80 Arbeiten aus dem
graphischen Werk Hundertwassers (von 1951 bis 1997), u. a. alle seine zu
Lebzeiten erschienenen Portfolios (Sammelwerke) sowie weitere
bedeutende Werke, die seine Liebe zum Einmaligen spürbar machen. Dazu
zählen die bedeutenden Druckwerke "Die Flucht des Dalai-Lama" von 1959,
"Good morning City" von 1970, der Entwurf für das Plakat der Olympischen
Spiele in München von 1972 sowie sein bekanntes Werk "10.002 nights
Homo Humus come va how do you do" von 1984, das in der
beeindruckenden Auflage von 10.002 farblich unterschiedlichen
Lithographien erschien. Neben den Graphiken wurden auch mit
Mischtechniken gemalte Bilder sowie Keramiken und Buchausgaben, wie
seine bekannte Brockhaus-Enzyklopädie und die Hundertwasser-Bibel,
gezeigt.
http://www.berlin.de/ba-neukoelln/presse/archiv/20080605.1000.102083.html
Fotografien © Katia Hermann
20th century/contemporary art exhibitions curated by Katia Hermann & other work related projects
Total Pageviews
01/08/2011
Expo 2000 Hanovre - French Pavilion - museography
Thematic exhibition at French Pavilion Expo 2000 Hanovre
Theme: Movement, mobility, transports
Film crew works with scenographs, architects and designers to create an amazing walk through 2000 m2 starting with spatial technology with a view on mother earth, going through a volcano, a landscape with a giant 3D-book, going into human body space presenting medicinal technology and ending with a street in a town in an amazing perspective, the middle of the road being several "transporting machines "in a row. It felt like walking through amazing film scenes with new technology in 2000 with different soundtracks for each space. Pretty amazing project.
Scenario: Pierre-Yves Chays
Scenography: Jacques Bufnoir
Adviser: Philippe Délis
Museography/in charge of the exhibits: Katia Hermann
http://www.expo2000.de/expo2000/tn/index.php?tn_ktn_id=1004&lang=2&tn_do_id=100131
Photographs © Katia Hermann



22/01/2010
2. Ausgabe Berlin-Paris: Ein Beispiel für deutsch-französischen Kunst- und Kultur-Austausch
14 Pariser Galerien sind bis 23. Januar - einige auch etwas länger - in Berliner Galerien zu Gast, später werden sich 13 Berliner Galerien vom 29. Januar bis 6. Februar in Pariser Galerien präsentieren. Die erste Ausgabe von "Berlin-Paris“ im Jahre 2009 ist als großer Erfolg begeistert begrüßt worden, so dass sich die meisten Teilnehmer eine Fortsetzung wünschten und viele neue Anfragen kamen.
Das öffentlich-private Projekt wurde von dem französischen Botschafter in Berlin, Bernard de Montferrand, initiiert, genauer noch: von dem Kunstreferenten Cédric Aurelle, der dynamisch und leidenschaftlich den deutsch-französischen Kulturaustausch vorantreibt.
Die Galerien entscheiden selbst, wen sie einladen und welche Ausstellung gezeigt wird, die Kosten tragen sie ebenfalls selbst. Es werden viele junge Künstler gezeigt, aber auch Werke bekannter Maler der Moderne wie Picabia von der Pariser Galerie 1900-2000 bei Mehdi Chouakri. Der Berliner Galerist sieht in der deutschen Hauptstadt ein Defizit an Galerien, die modern-klassische Kunst zeigen und bietet somit eine museale Ausstellung in seinen Räumlichkeiten an. Die Pariser Galerie Nathalia Obadia stellt Kunst in der Berliner Galerie Esther Schipper aus und die Galerie Carlos Cardenas präsentiert z. B. Werke von Clément Rodzielski bei Chert in Kreuzberg.
[caption id="attachment_3428" align="alignleft" width="336" caption="Detailansicht Clément Rodzielski, Untitled (pour les pauvres), 2009, colored markers on 12 offset posters, 60 x 78 cm © C. Rodzielski"]
[/caption]
Zur Eröffnung in Berlin reisten nicht nur Galeristen, private Sammler und Kunstschaffende an, sondern auch gleich mehrere Freundeskreise von Museen, die auch als Sammlergruppen gelten: vom Musée d'Art Moderne, von dem Verein ADIAF (Schirmherr des Marcel-Duchamp-Preises), von der jungen Stiftung La Fondation La Maison Rouge und aus Deutschland vom Museum Ludwig aus Köln. Das Interesse scheint groß.
In den letzten Jahren hat sich im musealen Paris einiges getan für die zeitgenössische Kunst, neue Institutionen, wie z. B. die Stiftung La Maison Rouge und neue Galerien sind entstanden und ziehen internationale Aufmerksamkeit auf sich. Das Medieninteresse in der Seine-Metropole ist enorm.
Berlin zieht Franzosen an, ob Touristen oder „Neuberliner“, man hört in den letzten fünf Jahren immer häufiger französisch auf den Straßen. Junge Unternehmer öffnen Cafés und Restaurants. Ohnehin beherbergt Berlin eine der größten französische Auslandsgemeinden. Viele Künstler und Kulturschaffende siedeln sich in der deutschen Hauptstadt an, weil diese eine Infrastruktur und ein Ambiente zum kreativen Schaffen bietet wie wenig andere Großstädte.
Die französische Botschaft unterstützt mit dieser kulturellen Aktion daher nicht nur den deutsch-französischen Austausch, sondern auch den Kunstmarkt und somit auch junge Künstler.
Botschafter de Montferrand äußert sich in einem Artikel von Le Monde am 18.01.2010 besonders positiv gegenüber den Künstlern: “Ich habe schon immer geglaubt, dass die zeitgenössische Kunst einer der Schlüssel ist, um die Welt von heute zu verstehen. Es ist für mich, als Botschafter, eine Art mein Netzwerk vielfältiger zu gestalten. Wenn Sie in einem Land leben, haben Sie natürliche Ansprechpartner, politische, wirtschaftliche, aber die Künstler öffnen Ihnen ein ganz anderes Universum, werfen ein neues Licht und ermöglichen Ihnen in die lokale Realität einzutauchen.“
[caption id="attachment_3429" align="aligncenter" width="508" caption="Still aus "Crazy Berlin" von Estelle Beauvais, 2009 © E. Beauvais"]
[/caption]
Die lokale Realität hat in Berlin verschiedene Gesichter. Es muss extrem viele alternative Wege in der Kunst geben, um in Berlin und auch woanders existieren zu können. Einen dieser Wege ist z. B. das Projekt „Printemps des Poètes Berlin 09“ gegangen, ein aus Frankreich zum ersten Mal 2009 nach Berlin importiertes Poesie-Festival. Oder die junge französische Dokumentarkünstlerin Estelle Beauvais mit dem „Dasein Projekt“: Kulturschaffende und Künstler werden in Paris und Berlin auf intime Weise in ihren poetischen Filmen gezeigt und vernetzt durch gemeinsame Projekte. Ein vielversprechendes Konzept und Talent, das nicht im Namen einer Institution steht. Filmprojekte, die sich alternativ und frei entwickelt haben allein durch die Motivation der Beteiligten. Um nun wachsen zu können sind sie auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
Man könnte sich noch viele dieser Brücken zwischen Paris und Berlin vorstellen; nicht nur mehr und vielfältige Projekte zwischen Institutionen, Museen, Vereinen, Schulen usw. Anstatt auf Initiativen von Institutionen und Antworten für öffentliche Subventionen, die jährlich schrumpfen, zu warten, wäre es schön, das Engagement von privaten Mäzenen und Firmen für mehr Brückenprojekte Berlin-Paris/Paris-Berlin von privaten, jungen Initiatoren zu gewinnen, um das gemeinsame Kunstschaffen und die deutsch-französische Freundschaft zu pflegen.
Die Galerien entscheiden selbst, wen sie einladen und welche Ausstellung gezeigt wird, die Kosten tragen sie ebenfalls selbst. Es werden viele junge Künstler gezeigt, aber auch Werke bekannter Maler der Moderne wie Picabia von der Pariser Galerie 1900-2000 bei Mehdi Chouakri. Der Berliner Galerist sieht in der deutschen Hauptstadt ein Defizit an Galerien, die modern-klassische Kunst zeigen und bietet somit eine museale Ausstellung in seinen Räumlichkeiten an. Die Pariser Galerie Nathalia Obadia stellt Kunst in der Berliner Galerie Esther Schipper aus und die Galerie Carlos Cardenas präsentiert z. B. Werke von Clément Rodzielski bei Chert in Kreuzberg.
[caption id="attachment_3428" align="alignleft" width="336" caption="Detailansicht Clément Rodzielski, Untitled (pour les pauvres), 2009, colored markers on 12 offset posters, 60 x 78 cm © C. Rodzielski"]
Zur Eröffnung in Berlin reisten nicht nur Galeristen, private Sammler und Kunstschaffende an, sondern auch gleich mehrere Freundeskreise von Museen, die auch als Sammlergruppen gelten: vom Musée d'Art Moderne, von dem Verein ADIAF (Schirmherr des Marcel-Duchamp-Preises), von der jungen Stiftung La Fondation La Maison Rouge und aus Deutschland vom Museum Ludwig aus Köln. Das Interesse scheint groß.
In den letzten Jahren hat sich im musealen Paris einiges getan für die zeitgenössische Kunst, neue Institutionen, wie z. B. die Stiftung La Maison Rouge und neue Galerien sind entstanden und ziehen internationale Aufmerksamkeit auf sich. Das Medieninteresse in der Seine-Metropole ist enorm.
Berlin zieht Franzosen an, ob Touristen oder „Neuberliner“, man hört in den letzten fünf Jahren immer häufiger französisch auf den Straßen. Junge Unternehmer öffnen Cafés und Restaurants. Ohnehin beherbergt Berlin eine der größten französische Auslandsgemeinden. Viele Künstler und Kulturschaffende siedeln sich in der deutschen Hauptstadt an, weil diese eine Infrastruktur und ein Ambiente zum kreativen Schaffen bietet wie wenig andere Großstädte.
Die französische Botschaft unterstützt mit dieser kulturellen Aktion daher nicht nur den deutsch-französischen Austausch, sondern auch den Kunstmarkt und somit auch junge Künstler.
Botschafter de Montferrand äußert sich in einem Artikel von Le Monde am 18.01.2010 besonders positiv gegenüber den Künstlern: “Ich habe schon immer geglaubt, dass die zeitgenössische Kunst einer der Schlüssel ist, um die Welt von heute zu verstehen. Es ist für mich, als Botschafter, eine Art mein Netzwerk vielfältiger zu gestalten. Wenn Sie in einem Land leben, haben Sie natürliche Ansprechpartner, politische, wirtschaftliche, aber die Künstler öffnen Ihnen ein ganz anderes Universum, werfen ein neues Licht und ermöglichen Ihnen in die lokale Realität einzutauchen.“
[caption id="attachment_3429" align="aligncenter" width="508" caption="Still aus "Crazy Berlin" von Estelle Beauvais, 2009 © E. Beauvais"]
Die lokale Realität hat in Berlin verschiedene Gesichter. Es muss extrem viele alternative Wege in der Kunst geben, um in Berlin und auch woanders existieren zu können. Einen dieser Wege ist z. B. das Projekt „Printemps des Poètes Berlin 09“ gegangen, ein aus Frankreich zum ersten Mal 2009 nach Berlin importiertes Poesie-Festival. Oder die junge französische Dokumentarkünstlerin Estelle Beauvais mit dem „Dasein Projekt“: Kulturschaffende und Künstler werden in Paris und Berlin auf intime Weise in ihren poetischen Filmen gezeigt und vernetzt durch gemeinsame Projekte. Ein vielversprechendes Konzept und Talent, das nicht im Namen einer Institution steht. Filmprojekte, die sich alternativ und frei entwickelt haben allein durch die Motivation der Beteiligten. Um nun wachsen zu können sind sie auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
Man könnte sich noch viele dieser Brücken zwischen Paris und Berlin vorstellen; nicht nur mehr und vielfältige Projekte zwischen Institutionen, Museen, Vereinen, Schulen usw. Anstatt auf Initiativen von Institutionen und Antworten für öffentliche Subventionen, die jährlich schrumpfen, zu warten, wäre es schön, das Engagement von privaten Mäzenen und Firmen für mehr Brückenprojekte Berlin-Paris/Paris-Berlin von privaten, jungen Initiatoren zu gewinnen, um das gemeinsame Kunstschaffen und die deutsch-französische Freundschaft zu pflegen.
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11/01/2010
Business Class in Paris: US-Künstlerin Nicole Cohen zeigt neue Arbeiten
Nach der Ausstellung „Rap Rococo“ 2007 präsentiert die amerikanische in Berlin lebende Künstlerin Nicole Cohen nun „Business Class“ in der Galerie La B.A.N.K in Paris bis 13. Februar 2010. Für diese zweite Ausstellung in ihrer Pariser Galerie erforscht Nicole Cohen den Begriff der funktionellen Psychologie und die Bestimmung einer Ästhetik des Selbst durch die Konzeptualisierung und die Formalisierung des Erscheinens.
"Plakat zur Ausstellung"]
In der Galerie La B.A.N.K. sind circa 30 Collagen und ein Video wie eine Filmmontage in den Räumlichkeiten von der Künstlerin gestaltet worden. Die Subjekte der Bilder, Frauen und Männer aus den 50er Jahren, interagieren durch ihren Blick und ihre Posen miteinander und untereinander und schaffen eine fassbare Kinematik, die Erzählung und die phänomenologische Erfahrung beschreibt. Der Effekt wird durch die von der Künstlerin geschriebene und auserwählte Wandtexte unterstrichen. Die für die Collagen benutzten Bilder sind Werbungen aus Magazinen längst vergangener Jahre. Die Personen, gezeichnete Modelle - glamouröse und elegante Geschäftsleute, wie man sie aus klassischen Hollywoodfilmen der 50er kennt - werden in einen raumzeitlichen Rahmen, ins Heute „teleportiert“. Das schwarze gitterartige Papier, das die Künstlerin über die Modelle angebracht hat, umrahmt die Figuren und verschleiert auf eine Art die Lektüre der Werke und den Übergang der Vergangenheit in die Gegenwart.
Ausstellungsansicht Business Class © N. Cohen"
Das aktuelle Video von Nicole Cohen verfolgt die systemische Interpretation des „in between“. Aus einem Tunnel oder von einer Straße aus in der Nacht gefilmt, flitzen die glitzernden Lichter von Straßenlaternen wie funkelnde Diamanten an uns vorbei, wie der Widerschein der fulminanten Bestimmung und Vorwegnahme, die die Geschäftswelt, die Business Class, scheinbar inspiriert.
Die Künstlerin sieht in ihrer Abstraktion den Erfolg, die grandiosen Ziele und auch die vorübergehenden Ängste in dieser Geschäftwelt. Der Titel „Yard“ eines der Werke bezeichnet in der amerikanischen Umgangssprache eine Milliarde Dollar, eine Summe, die nur für Auserwählte bestimmt ist.
Nicole Cohen, You can do it, 2009, Collage, 20 x 29 cm © N.Cohen"
Nicole Cohen, Jetlag, Videostill, 2008 © N. Cohen"

Nicole Cohen, Jetlag, 2008, Videoinstallation © N.Cohen"
Nicole Cohen arbeitet häufig mit einem Fundus von Bildern aus der Vergangenheit, ob aus Modemagazinen wie hier oder Magazinen für Innenarchitektur und Wohnausstattung. Für ihre Videoinstallationen verwendet sie bis heute meistens Interieurs aus der Vergangenheit, in denen sie gefilmte Menschen aus dem Heute in ein „vergangenes“ statisches Bild, ein kleines Foto eines Interieurs, mit einem Projektor in der angepassten Größe des Interieurs beamt. Die kleinen „echten“ Figuren tanzen und bewegen sich in „fiktiven“ Räumen.
In ihren aktuellen Werken arbeitet sie nun fast umgekehrt: die Menschen der Vergangenheit, hier gezeichnete, statische Modelle aus den 50er Jahren, werden in einem neuen Kontext, mit Text, in die Gegenwart „kontextualisiert“. Eine neue Weise zu arbeiten und eine klug konzipierte Einzelausstellung in der Galerie für zeitgenössische Kunst, La B.A.N.K, nicht weit vom Centre Georges Pompidou im Zentrum von Paris.
2010 wird ein fruchtbares Jahr: Nicole Cohen zeigt eine Soloshow in Los Angeles im Rio Hondo College und wird an mehreren Gruppenausstellungen teilnehmen. Zudem erhält sie ihren ersten Auftrag aus Budapest.
Nicole Cohen zählt schon einige große Ausstellungen in den USA: "French Connection" (2009), "40-Love" (2003) und "Fantasy Space & Crystal Ball : Dreamhouse" (2000) in der Shoshana Wayne Gallery in Kalifornien oder "How to Make Your Windows Beautiful" (2005) in der Galerie Stephen Stoyanov in New York. Sie war in Gruppenausstellungen in Deutschland, Japan, Norwegen, Südkorea und China vertreten.
Drei Einzelausstellungen fanden in Museen statt: "My Vie En Rose" (2003) im Williams College Museum of Art in Williamstown, Massachusetts, "Please Be Seated" (2007-2009), eine Videoinstallation, die im Auftrag des J. Paul Getty Museum in Los Angeles geschaffen wurde und die dritte findet erst im Januar 2011 statt: "Circles and Beamers" im Katzen Art Center Museum in Washington, D.C.
"Plakat zur Ausstellung"]
In der Galerie La B.A.N.K. sind circa 30 Collagen und ein Video wie eine Filmmontage in den Räumlichkeiten von der Künstlerin gestaltet worden. Die Subjekte der Bilder, Frauen und Männer aus den 50er Jahren, interagieren durch ihren Blick und ihre Posen miteinander und untereinander und schaffen eine fassbare Kinematik, die Erzählung und die phänomenologische Erfahrung beschreibt. Der Effekt wird durch die von der Künstlerin geschriebene und auserwählte Wandtexte unterstrichen. Die für die Collagen benutzten Bilder sind Werbungen aus Magazinen längst vergangener Jahre. Die Personen, gezeichnete Modelle - glamouröse und elegante Geschäftsleute, wie man sie aus klassischen Hollywoodfilmen der 50er kennt - werden in einen raumzeitlichen Rahmen, ins Heute „teleportiert“. Das schwarze gitterartige Papier, das die Künstlerin über die Modelle angebracht hat, umrahmt die Figuren und verschleiert auf eine Art die Lektüre der Werke und den Übergang der Vergangenheit in die Gegenwart.
Ausstellungsansicht Business Class © N. Cohen"
Das aktuelle Video von Nicole Cohen verfolgt die systemische Interpretation des „in between“. Aus einem Tunnel oder von einer Straße aus in der Nacht gefilmt, flitzen die glitzernden Lichter von Straßenlaternen wie funkelnde Diamanten an uns vorbei, wie der Widerschein der fulminanten Bestimmung und Vorwegnahme, die die Geschäftswelt, die Business Class, scheinbar inspiriert.
Die Künstlerin sieht in ihrer Abstraktion den Erfolg, die grandiosen Ziele und auch die vorübergehenden Ängste in dieser Geschäftwelt. Der Titel „Yard“ eines der Werke bezeichnet in der amerikanischen Umgangssprache eine Milliarde Dollar, eine Summe, die nur für Auserwählte bestimmt ist.
Nicole Cohen, You can do it, 2009, Collage, 20 x 29 cm © N.Cohen"
Nicole Cohen, Jetlag, Videostill, 2008 © N. Cohen"
Nicole Cohen, Jetlag, 2008, Videoinstallation © N.Cohen"
Nicole Cohen arbeitet häufig mit einem Fundus von Bildern aus der Vergangenheit, ob aus Modemagazinen wie hier oder Magazinen für Innenarchitektur und Wohnausstattung. Für ihre Videoinstallationen verwendet sie bis heute meistens Interieurs aus der Vergangenheit, in denen sie gefilmte Menschen aus dem Heute in ein „vergangenes“ statisches Bild, ein kleines Foto eines Interieurs, mit einem Projektor in der angepassten Größe des Interieurs beamt. Die kleinen „echten“ Figuren tanzen und bewegen sich in „fiktiven“ Räumen.
In ihren aktuellen Werken arbeitet sie nun fast umgekehrt: die Menschen der Vergangenheit, hier gezeichnete, statische Modelle aus den 50er Jahren, werden in einem neuen Kontext, mit Text, in die Gegenwart „kontextualisiert“. Eine neue Weise zu arbeiten und eine klug konzipierte Einzelausstellung in der Galerie für zeitgenössische Kunst, La B.A.N.K, nicht weit vom Centre Georges Pompidou im Zentrum von Paris.
2010 wird ein fruchtbares Jahr: Nicole Cohen zeigt eine Soloshow in Los Angeles im Rio Hondo College und wird an mehreren Gruppenausstellungen teilnehmen. Zudem erhält sie ihren ersten Auftrag aus Budapest.
Nicole Cohen zählt schon einige große Ausstellungen in den USA: "French Connection" (2009), "40-Love" (2003) und "Fantasy Space & Crystal Ball : Dreamhouse" (2000) in der Shoshana Wayne Gallery in Kalifornien oder "How to Make Your Windows Beautiful" (2005) in der Galerie Stephen Stoyanov in New York. Sie war in Gruppenausstellungen in Deutschland, Japan, Norwegen, Südkorea und China vertreten.
04/01/2010
„Abschied von gestern“: Katrin Kampmann in Ludwigsburg
Noch bis zum 7. Januar zeigt Kunstbetrieb 7 in Ludwigsburg die aktuellen Werke der jungen, in Berlin lebenden Künstlerin Katrin Kampmann, in deren Malerei Abstraktion und Figuration, Reales und Surreales fusionieren. Durch die Farbe und Mehrschichtigkeit entsteht eine Explosion aus der neue und zugleich vertraute Szenerien.
1979 in Bonn geboren, geht Katrin Kampmann, nachdem sie als Kind einige Jahre in Paris gelebt hat, nach Berlin und studiert von 2001 bis 2006 unter Prof. K. H. Hödicke an der Universität der Künste und erhält den ehrenvollen Meisterschülerpreis. Schon kurz darauf wird sie von der Galerie Michael Schultz in Berlin neben bekannten Künstlern wie Cornelia Schleime und damals Norbert Bisky vertreten.
Katrin Kampmann, Persönliche Motive, 2009, Tusche, Acryl, Duck und Öl auf Leinwand, 150 x 200 cm © K. Kampmann"

Bereits Ende 2007-2008 hängen ihre Werke in der Kunsthalle Rostock neben zeitgenössischen Werken aus einer der bedeutendsten europäischen Privatsammlungen des niederländischen Sammlerehepaares Knecht. Neben berühmten Zeitgenossen der älteren Generation wie Penck, Baselitz und Lüpertz befinden sich vor allem Arbeiten jüngerer Künstler in der Kollektion.
2008 wurde die Kampmann von Hans Grothe entdeckt, Vater des Bauherrn des Concorde Hotels in Berlin und erfahrener Kunstsammler. Er beauftragt die junge Künstlerin, Werke für das Concorde Hotel zu schaffen. Kaum aus dem Fahrstuhl gestiegen, überwältigen ihre farbigen Großleinwände in der ersten Etage sowie in der Brasserie Le Faubourg. Dort stellt Katrin Kampmanns "Frühstück im Freien" nicht nur ein historisches Zitat dar, mit dem sie spielt, sondern setzt auch einen überaus farbenfrohen Akzent.
2009 sind ihre Werke unter denen der deutschen Künstler in der Show "Kunstdialog in gemeinsamer Bewegung” im Museum of Art in Wuhan-China vertreten, eine Gruppenausstellung, die vom Goethe Institut und dem Auswärtigen Amt in Wuhan unterstützt wurde. Auch über ihre Einzelausstellung im selben Jahr in der Galerie schultz contemporary, "Die einfache Explosion", wurde mehrfach berichtet.
"Katrin Kampmann, Abschied von gestern, 2009, Tusche, Acryl, Druck und Öl auf Leinwand, 250 x 400 cm (Diptychon) © K. Kampmann"
In der Malerei von Katrin Kampmann fusionieren Abstraktion und Figuration, Reales und Surreales. Durch die Farbe und Mehrschichtigkeit entsteht eine Explosion, aus der neue und zugleich vertraute Szenerien entstehen.
Katrin Kampmann malt, was sie umgibt. Freunde, bekannte oder imaginäre Personen nach fotografischen Bildern. Auf den großformatigen Leinwänden herrscht eine gewisse Spannung, Heftigkeit und Emotionalität und eine wahrhaftige Farbexplosion. Leuchtende Farbflächen und Farbkleckse prallen auf die figurativen Darstellungen des Alltags. Ihr dynamischer Gestus kontrastiert mit den teilweise perfekt geformten Farbflecken, die die Flächen übersäen. Die malerisch reduzierten und verfremdeten Gestalten oder Silhouetten schimmern durch tapetenartige Muster, bewegen sich auf, vor oder hinter verschiedenen Flecken. Vordergrund und Hintergrund, Personen, Gegenstände, Farbflächen und Kleckse fließen ineinander und durcheinander. Ein zuerst wild wirkendes, doch hochrangig organisiertes System. Werke, die immer wieder ein optisches Erlebnis sind und den Betrachtern die Freiheit geben eigene Assoziationsketten zu finden.
Die junge Malerin kombiniert meisterhaft die unterschiedlichsten Maltechniken zu einem perfekt arrangierten Ensemble. Ihre expressive Malerei mit dem Pinsel wird durch die überlagernden Drucke zu einer Art Ordnung aufgerufen. Ob Tusche, Acryl oder Öl, sie trägt die Farbe mit dem Pinsel auf, schüttet, drippt oder sprüht. Ob horizontal auf dem Boden oder vertikal an der Wand, der permanente Wechsel der verschiedenen Techniken erfordert einen harten Körpereinsatz bei der Anfertigung der großformatigen Leinwände.
"Der Zufall spielt bei meiner Arbeit schon eine gewisse Rolle. Er gibt mir die Möglichkeit, mich immer wieder zu hinterfragen", sagt die Malerin.
Und Schnelligkeit ist bei ihren Techniken ebenfalls gefragt. Oft muss sie schnell eingreifen, noch bevor die Farbe trocknet, und das heißt geschickt agieren mit den unvorhersehbaren Formen und Strukturen, die z. B. durch die Drucktechnik entstehen.
In der Ausstellung „Abschied von gestern“ werden 15 aktuelle Werke gezeigt, die in den hellen, großen Galerieräumen des Kunstbetriebs 7 hervorragend zur Geltung kommen. Anhand von Schablonen stellt die Künstlerin in ihren jüngsten Gemälden Klone anderer Flecken her und kann sie unendlich wiederholen. Dadurch erhalten die Flecken etwas Künstliches, Technisches, Perfektes und stellen neben dem Gestus ihrer expressiven Malerei Kontrolle und Synthetik dar. Sie thematisiert in ihren jüngsten Werken die Omnipräsenz der Bilder in unserer Gesellschaft anhand von Motiven wie Laptop, TV und Handybildschirm. Die Perfektion der modernen Technik prallt auf die menschliche Unperfektion.
In "Persönliche Motive“ etwa steht auf der linken Hälfte des Bildes eine Frau. Der fleckige Boden, der als Diagonale die untere Bildhälfte einnimmt, gibt den sonst eher flächigen Bildern hier eine Tiefe. Die Frau posiert dem Betrachter zugewandt in einer Kampfgeste, die Faust nach vorne. Mit ihrem Look und der Umhängetasche wirkt sie jung mit dynamischem, fast aggressivem Gestus. In der Mitte des Gemäldes „explodiert“ ein Farbfleck, wie ein Feuerwerkskörper, den die Frau zu uns wirft. Eines der kraftvollsten Werke dieser beeindruckenden Einzelausstellung.
1979 in Bonn geboren, geht Katrin Kampmann, nachdem sie als Kind einige Jahre in Paris gelebt hat, nach Berlin und studiert von 2001 bis 2006 unter Prof. K. H. Hödicke an der Universität der Künste und erhält den ehrenvollen Meisterschülerpreis. Schon kurz darauf wird sie von der Galerie Michael Schultz in Berlin neben bekannten Künstlern wie Cornelia Schleime und damals Norbert Bisky vertreten.
Katrin Kampmann, Persönliche Motive, 2009, Tusche, Acryl, Duck und Öl auf Leinwand, 150 x 200 cm © K. Kampmann"
Bereits Ende 2007-2008 hängen ihre Werke in der Kunsthalle Rostock neben zeitgenössischen Werken aus einer der bedeutendsten europäischen Privatsammlungen des niederländischen Sammlerehepaares Knecht. Neben berühmten Zeitgenossen der älteren Generation wie Penck, Baselitz und Lüpertz befinden sich vor allem Arbeiten jüngerer Künstler in der Kollektion.
2008 wurde die Kampmann von Hans Grothe entdeckt, Vater des Bauherrn des Concorde Hotels in Berlin und erfahrener Kunstsammler. Er beauftragt die junge Künstlerin, Werke für das Concorde Hotel zu schaffen. Kaum aus dem Fahrstuhl gestiegen, überwältigen ihre farbigen Großleinwände in der ersten Etage sowie in der Brasserie Le Faubourg. Dort stellt Katrin Kampmanns "Frühstück im Freien" nicht nur ein historisches Zitat dar, mit dem sie spielt, sondern setzt auch einen überaus farbenfrohen Akzent.
2009 sind ihre Werke unter denen der deutschen Künstler in der Show "Kunstdialog in gemeinsamer Bewegung” im Museum of Art in Wuhan-China vertreten, eine Gruppenausstellung, die vom Goethe Institut und dem Auswärtigen Amt in Wuhan unterstützt wurde. Auch über ihre Einzelausstellung im selben Jahr in der Galerie schultz contemporary, "Die einfache Explosion", wurde mehrfach berichtet.
"Katrin Kampmann, Abschied von gestern, 2009, Tusche, Acryl, Druck und Öl auf Leinwand, 250 x 400 cm (Diptychon) © K. Kampmann"
In der Malerei von Katrin Kampmann fusionieren Abstraktion und Figuration, Reales und Surreales. Durch die Farbe und Mehrschichtigkeit entsteht eine Explosion, aus der neue und zugleich vertraute Szenerien entstehen.
Katrin Kampmann malt, was sie umgibt. Freunde, bekannte oder imaginäre Personen nach fotografischen Bildern. Auf den großformatigen Leinwänden herrscht eine gewisse Spannung, Heftigkeit und Emotionalität und eine wahrhaftige Farbexplosion. Leuchtende Farbflächen und Farbkleckse prallen auf die figurativen Darstellungen des Alltags. Ihr dynamischer Gestus kontrastiert mit den teilweise perfekt geformten Farbflecken, die die Flächen übersäen. Die malerisch reduzierten und verfremdeten Gestalten oder Silhouetten schimmern durch tapetenartige Muster, bewegen sich auf, vor oder hinter verschiedenen Flecken. Vordergrund und Hintergrund, Personen, Gegenstände, Farbflächen und Kleckse fließen ineinander und durcheinander. Ein zuerst wild wirkendes, doch hochrangig organisiertes System. Werke, die immer wieder ein optisches Erlebnis sind und den Betrachtern die Freiheit geben eigene Assoziationsketten zu finden.
Die junge Malerin kombiniert meisterhaft die unterschiedlichsten Maltechniken zu einem perfekt arrangierten Ensemble. Ihre expressive Malerei mit dem Pinsel wird durch die überlagernden Drucke zu einer Art Ordnung aufgerufen. Ob Tusche, Acryl oder Öl, sie trägt die Farbe mit dem Pinsel auf, schüttet, drippt oder sprüht. Ob horizontal auf dem Boden oder vertikal an der Wand, der permanente Wechsel der verschiedenen Techniken erfordert einen harten Körpereinsatz bei der Anfertigung der großformatigen Leinwände.
"Der Zufall spielt bei meiner Arbeit schon eine gewisse Rolle. Er gibt mir die Möglichkeit, mich immer wieder zu hinterfragen", sagt die Malerin.
Und Schnelligkeit ist bei ihren Techniken ebenfalls gefragt. Oft muss sie schnell eingreifen, noch bevor die Farbe trocknet, und das heißt geschickt agieren mit den unvorhersehbaren Formen und Strukturen, die z. B. durch die Drucktechnik entstehen.
In der Ausstellung „Abschied von gestern“ werden 15 aktuelle Werke gezeigt, die in den hellen, großen Galerieräumen des Kunstbetriebs 7 hervorragend zur Geltung kommen. Anhand von Schablonen stellt die Künstlerin in ihren jüngsten Gemälden Klone anderer Flecken her und kann sie unendlich wiederholen. Dadurch erhalten die Flecken etwas Künstliches, Technisches, Perfektes und stellen neben dem Gestus ihrer expressiven Malerei Kontrolle und Synthetik dar. Sie thematisiert in ihren jüngsten Werken die Omnipräsenz der Bilder in unserer Gesellschaft anhand von Motiven wie Laptop, TV und Handybildschirm. Die Perfektion der modernen Technik prallt auf die menschliche Unperfektion.
In "Persönliche Motive“ etwa steht auf der linken Hälfte des Bildes eine Frau. Der fleckige Boden, der als Diagonale die untere Bildhälfte einnimmt, gibt den sonst eher flächigen Bildern hier eine Tiefe. Die Frau posiert dem Betrachter zugewandt in einer Kampfgeste, die Faust nach vorne. Mit ihrem Look und der Umhängetasche wirkt sie jung mit dynamischem, fast aggressivem Gestus. In der Mitte des Gemäldes „explodiert“ ein Farbfleck, wie ein Feuerwerkskörper, den die Frau zu uns wirft. Eines der kraftvollsten Werke dieser beeindruckenden Einzelausstellung.
15/12/2009
Von L.A. nach Berlin: Marisa Mandler in der Galerie Wohnmaschine inBerlin
Die junge, aus L.A. stammende Künstlerin Marisa Mandler stellt noch bis zum 19. Dezember 2009 erstmals in einer Einzelausstellung mit dem Titel „Dear Orpheus“ in der Galerie Wohnmaschine aus. Art and Events-Autorin Katia Hermann hat Marisa Mandler zu einem Gespräch getroffen.
"Marisa Mandler, The Moment Between, 2009, Installation, circa 400 x 200 cm, Mixed Media © Galerie Wohnmaschine Berlin"

Die Galerie präsentiert zwei Arbeiten, das Werk The Moment Between und February 26 von 2009. Es handelt sich beim ersten um eine menschengroße Installation im Raum, die aus mehreren dünnen Membranen und weißer Keramik angefertigt wurde. Diese lehnen an der Wand, biegen sich zu ihr mit einer Oberfläche, die hauchdünn, teilweise brüchig und lichtdurchlässig ist. Das Werk erweckt das Gefühl eines Schwebezustandes, fragil und verletzbar überrascht die Installation als standfest.
Die Künstlerin Marisa Mandler setzt sich hier mit einem ganz bestimmten Moment der mythologischen Geschichte von Orpheus auseinander: Der Augenblick kurz bevor Orpheus sich nach seiner Braut umschaut, in dem alles in der Schwebe, aber alles noch zu retten ist – ein Moment des Umbruchs, in dem ein erfülltes Leben oder auch der Beginn des Untergangs für Orpheus möglich sein wird. Dieser Spannung des Moments und dessen Energie, die in wenigen Sekunden enthalten sind, versucht Mandler durch ihr Werk The Moment Between auf eine poetische Art Gestalt zu geben.
"Marisa Mandler, February 26, 2009, Pen on Paper, 78 x 108 cm, Detail © Galerie Wohnmaschine Berlin"

Für die Zeichnung February 26 hat die junge Künstlerin einen vollen Tag lang 26 Sekunden lange Tonsequenzen aus ihrem Alltag aufgenommen. Der Berliner Straßenlärm oder Gespräche der Kunden im Café wurden als Audiodatei mit Hilfe eines Musikprogramms in eine grafische Darstellung am Computer in Amplituden umgewandelt, anschließend auf Papier projiziert und in eine filigrane Tuschezeichnung durch Mandler umgesetzt. Die zarten Linien zeigen Variationen von Lärm und Stille, die Resonanz und Schwingungen von Ereignissen, die wie eine Aufnahme deren Intensität wirken. Wie für The Moment Between hat Marisa Mandler auch hier das Ereignis poetisch umsetzten können.
"Marisa Mandler, The Moment Between, 2009, Installation, circa 400 x 200 cm, Mixed Media © Galerie Wohnmaschine Berlin"
Die Galerie präsentiert zwei Arbeiten, das Werk The Moment Between und February 26 von 2009. Es handelt sich beim ersten um eine menschengroße Installation im Raum, die aus mehreren dünnen Membranen und weißer Keramik angefertigt wurde. Diese lehnen an der Wand, biegen sich zu ihr mit einer Oberfläche, die hauchdünn, teilweise brüchig und lichtdurchlässig ist. Das Werk erweckt das Gefühl eines Schwebezustandes, fragil und verletzbar überrascht die Installation als standfest.
Die Künstlerin Marisa Mandler setzt sich hier mit einem ganz bestimmten Moment der mythologischen Geschichte von Orpheus auseinander: Der Augenblick kurz bevor Orpheus sich nach seiner Braut umschaut, in dem alles in der Schwebe, aber alles noch zu retten ist – ein Moment des Umbruchs, in dem ein erfülltes Leben oder auch der Beginn des Untergangs für Orpheus möglich sein wird. Dieser Spannung des Moments und dessen Energie, die in wenigen Sekunden enthalten sind, versucht Mandler durch ihr Werk The Moment Between auf eine poetische Art Gestalt zu geben.
"Marisa Mandler, February 26, 2009, Pen on Paper, 78 x 108 cm, Detail © Galerie Wohnmaschine Berlin"
Für die Zeichnung February 26 hat die junge Künstlerin einen vollen Tag lang 26 Sekunden lange Tonsequenzen aus ihrem Alltag aufgenommen. Der Berliner Straßenlärm oder Gespräche der Kunden im Café wurden als Audiodatei mit Hilfe eines Musikprogramms in eine grafische Darstellung am Computer in Amplituden umgewandelt, anschließend auf Papier projiziert und in eine filigrane Tuschezeichnung durch Mandler umgesetzt. Die zarten Linien zeigen Variationen von Lärm und Stille, die Resonanz und Schwingungen von Ereignissen, die wie eine Aufnahme deren Intensität wirken. Wie für The Moment Between hat Marisa Mandler auch hier das Ereignis poetisch umsetzten können.
19/10/2009
Kunst und Kalter Krieg im Deutschen Historischen Museum Berlin
Die Ausstellung „Kunst und Kalter Krieg - Deutsche Positionen 1945-1989" startete am symbolischen Tag, dem 3. Oktober 2009, und zeigt bis zum 10. Januar 2010 auf rund 1.500 m2 in dem Gebäude von I. M. Pei des Deutschen Historischen Museums 375 Kunstwerke von mehr als 120 Künstlern. 20 Jahre nach dem Mauerfall kann man eine Auswahl deutscher Kunst, die seit dem Kriegsende in Ost- und Westdeutschland entstand, in dieser thematischen Gruppenausstellung neu entdecken. Einige Werke kennt man vielleicht schon aus verschiedenen Museumssammlungen oder aus der Ausstellung „Kunst in der DDR“ in der Nationalgalerie in Berlin.
[caption id="attachment_2828" align="alignleft" width="300" caption="A. R. Penck, Der Übergang, 1963, Aachen, Sammlung Ludwig, Ludwig Forum für internationale Kunst©2009 A. R. Penck"]
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Die Kuratoren, Stephanie Barron vom Los Angeles County Museum of Art und Eckhart Gillen, Kulturprojekte Berlin, präsentieren nach den Stationen Los Angeles und Nürnberg in Berlin eine neue Version der Ausstellung „Kunst und Kalter Krieg“. Die Berliner Variante präsentiert noch zusätzliche Werke. Gemeinsam sollen sie zeigen, wie Künstler aus Ost- und Westdeutschland im aufgeladenen Spannungsfeld der ideologischen Systemgegensätze in Ost und West eine vielschichtige und eigenständige politische Ikonografie entwickelt haben. Eckhart Gillen äußerte: „Die verschiedenen Formen der Kunst transportieren mentale, kulturelle und politische Inhalte, ohne sie im Sinne politischer Botschaften zu instrumentalisieren. Indem die Bilder aus vier Jahrzehnten deutscher Nachkriegskunst in ihrer Vielfalt und in ihrer Gestaltungskraft in unsere Wahrnehmung rücken, entsteht eine neue Perspektive auf die geteilte Nachkriegsgeschichte.“
Der Rundgang gliedert sich in vier Zeitabschnitte und beginnt mit der Stunde Null, 1945, und mit der Frage nach Kontinuität oder Neubeginn. Mit Werken von Karl Hofer und Hannah Höch beginnt man den Rundgang im ersten Saal; sie zeigen Menschen gruppiert in Szenen von Totentänzen und trauernden Frauen. Schwarzweiß-Fotos von Richard Peter sen., die 6er Serie „Dresden nach der Bombardierung vom 13/14. Februar 1945“, zeigen Bombenopfer und ihre Accessoires in den Trümmern von Dresden. Werke der Abstraktion aus der Schule der Bauhaus-Moderne werden mit figurativen Werken konfrontiert. Heinz Trökes Ölgemälde „Zwischen den Blöcken“ von 1947, eine im surrealistischen Stil dargestellte Szene schwebender Elemente zwischen zwei Mauer-Blöcken, ist vielleicht die erste Anspielung auf das, was noch kommen wird. Die Bronzeskulptur „Der Befreite“ von Georg Kolbe von 1945 sitzt nackt auf einem Stein und vergräbt sein Gesicht tief in seinen Händen - wohl befreit, doch trauernd, bedrückt und verängstigt sitzt er da und erinnert an den „Denker“ von Auguste Rodin, nur ist es hier eine zusammengebrochene Gestalt. In ihr spiegelt Kolbe die Erschütterung der Deutschen nach dem Kriegsende wider.
Der Held der Zukunft ist das Sujet des Sozialistischen Realismus im Osten, während die informelle Malerei im Westen Ausdruck des befreiten Subjekts sein will. Denkmalwettbewerbe konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen. Siegesdenkmal in Ostberlin, das Buchenwald-Ehrenmal mit der Skulpturengruppe von Fritz Cremer in der DDR, das geplante Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen in Westberlin...
[caption id="attachment_2829" align="alignleft" width="300" caption="Jörg Immendorff, Café Deutschland, 1977/78, Museum Ludwig Köln © Jörg Immendorff estate, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln"]
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Die Erweiterung des Kunstbegriffs und der künstlerische Gebrauch der neuen Medien stehen unter dem Begriff Zeitgenossenschaft. In diesen Jahren beginnt zugleich die historische und künstlerische Aufarbeitung des Nationalsozialismus sowie die Radikalisierung verschiedener politischer Gruppen und Künstlergruppen. Der Kapitalistische Realismus, inspiriert durch die amerikanische Pop Art, wird die Kunst des Wirtschaftswunders. Fluxus, Happening, Performance und Neue Medien erweitern den Kunstbegriff. Hier sind bedeutende Werke von Beuys, Uecker mit der Gruppe Zero, Vostell, Polke und Nam June Paik - seine Installation „Kuba“ von 1963, ein Fernsehgerät der Marke „Kuba“ - zu sehen. Sigmar Polke baut 1967 das Objekt "Kartoffelhaus", ein bissiger Kommentar auf die Welt des westdeutschen Kleinbürgers der Wirtschaftswunderjahre, für den Eigenheim und gefüllter Vorratskeller überwichtig scheinen. Eine Kritik und Warnung des Künstlers, dass durch die Konsumfreude der Blick auf die Geschichte verloren geht.
Wolf Vostells Bild „B-52 (Lippenstiftbomber)" von 1968 ist eine Kritik an der amerikanischen Regierung, die nach Vostells Meinung lieber Lippenstifte über Nord-Vietnam abwerfen sollte, als das Land zu bombardieren. Jörg Immendorff verurteilt Volf Wostells Position als westlichen Kultur-Imperialismus in seinem großformatigen Gemälde „Deutsche Künstler=Vostell“ von 1975, in dem er Vostell mit seinem Happening-Manifest in der Hand fliegend porträtiert. Immendorff ironisiert den Einfluss auf die Künstler seines ehemaligen Lehrers Beuys in seinem Ölgemälde „Beuysland“ und verurteilt die aus seiner Sicht korrumpierte Gesellschaft in seiner „Lidl"-Serie. In seinem berühmten Gemälde „Café Deutschland“ von 1977/78 dokumentiert er unter anderem seine Freundschaft zu dem bis 1980 in der DDR lebenden Künstler A. R. Penck, mit dem er in den 70er Jahren trotz des geteilten Deutschlands eine künstlerische Partnerschaft begann.
Weiterhin zu sehen sind Werke von Georg Baselitz („Bild für die Väter“, 1965), Thomas Bayrle („Nürnberger Orgie“, 1966), Markus Lüpertz („Dithyramb“, 1964), Gerhard Richter („Onkel Rudi“, 1965) oder Wolf Vostell („Auschwitz-Scheinwerfer 568“, 1958), denen das oft leidenschaftliche Bemühen um Aufklärung, Erinnerung und Anklage gemeinsam ist. Und ein solches Engagement wurde noch bis in die 80er Jahre fortgeschrieben, wie etwa die Bilder von so unterschiedlichen Künstlern wie Anselm Kiefer („Varus“, 1980), Olaf Metzel („Türkenwohnung. Abstand 12 000 DM VB“, 1982) oder Albert Oehlen („Führerhauptquartier“, 1984) erkennen lassen.
[caption id="attachment_2830" align="alignleft" width="266" caption="Bernard Heisig, Unterm Hakenkreuz, 1973, Staatliche Museen zu berlin, Nationalgalerie © 2009 Bernhard Heisig/VG Bild-Kunst Bonn"]
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Die Installation von Raffael Rheinsberg „Hand und Fuß“ von 1980 mit 350 aufgereihten schwarzen Schuhen und Handschuhen, die er im Niemandsland der Berliner Mauer, nahe des Anhalter Bahnhofs, fand, stammen aus einem Zwangsarbeiterlager der NS-Zeit. Die Installation erhält durch das Licht der Installation von Wolf Vostells „Ausschwitz-Scheinwerfer 560“ von 1958 eine noch dramatischere Dimension. Die Gestaltung ist hier gut gelungen und Bernhard Heisigs bekanntes Ölbild „Unterm Hakenkreuz“ von 1973 hängt auch nicht weit entfernt.
Das Werk von Lutz Dammbeck, „Nibelungen“ von 1986-1988 zieht hier das Auge des Besuchers besonders an. Der Künstler näht hier Bilder der Gesichtshälften von Baader und Ensslin mit Bildern von Werken vom NS-Bildhauer Arno Breker zusammen. Der Titel ist eine direkte Anspielung auf Hitlers Bewunderung für Richard Wagners „Ring der Nibelungen“.
Volker Stelzmann aus Dresden gibt eine Hommage an Rudi Dutschke mit seinem düsteren Ölbild „Für R. D.“ von 1981/82. Es zeigt Rudi Dutschke, der sich auf eine Badewanne stützt, Kopf nach unten gesenkt, eine direkte Anspielung auf seinen tragischen Tod. Georg Herold aus Jena überrascht mit seiner Installation „Laokoon“ von 1984, die aus einem alten Staubsauger und einem Audio-Band besteht, das die Rede von Hitler und Ulbricht über entartete Kunst von 1937 wiedergibt. Der Künstler war in der DDR inhaftiert, bevor seine Ausreise in den Westen 1973 genehmigt wurde.
Die Installation von Hans Haake, „Weite und Vielfalt der Brigade Ludwig“ von 1984 besteht aus zwei großformatigen Ölbildern, die über Eck durch ein Imitat der Berliner Mauer getrennt werden. Es ist mit das eindeutigste Werk der Ausstellung. Auf dem links hängenden Ölbild im sozialrealistischen Stil ist der Industrielle und Kunstmäzen Peter Ludwig mit Familie als Schokoladen-Patissier abgebildet. Das rechts von der Mauer hängende Gemälde zeigt eine Szene im Stil der westlichen Werbung für Trumpf-Schokolade, ein Produkt des Industriellen.
Im Ganzen stellt die Ausstellung eine beeindruckende, in ihrer Intensität und Dichte einzigartige Einführung in über 40 Jahre deutsch-deutsche Kunstgeschichte dar. Dass man die Ausstellung gleichwohl etwas unbefriedigt verlassen kann, liegt an der „Unterbelichtung“ des Kalten Krieges. Denn was hier unter dem Titel der Ausstellung geboten wird, ist vor allem eine Geschichte der deutschen Teilung und ihrer Verarbeitung in der Kunst. Die Erscheinungsformen des Kalten Krieges in der Kunst der beiden deutschen Staaten erhalten dafür weitere Aufmerksamkeit im Katalog der Ausstellung. Das Rahmenprogramm mit Filmvorführungen und Führungen durch „Kunst und Kalter Krieg - Deutsche Positionen 1945-89“ mit renommierten Künstlern ist vielversprechend.
[caption id="attachment_2828" align="alignleft" width="300" caption="A. R. Penck, Der Übergang, 1963, Aachen, Sammlung Ludwig, Ludwig Forum für internationale Kunst©2009 A. R. Penck"]
Die Kuratoren, Stephanie Barron vom Los Angeles County Museum of Art und Eckhart Gillen, Kulturprojekte Berlin, präsentieren nach den Stationen Los Angeles und Nürnberg in Berlin eine neue Version der Ausstellung „Kunst und Kalter Krieg“. Die Berliner Variante präsentiert noch zusätzliche Werke. Gemeinsam sollen sie zeigen, wie Künstler aus Ost- und Westdeutschland im aufgeladenen Spannungsfeld der ideologischen Systemgegensätze in Ost und West eine vielschichtige und eigenständige politische Ikonografie entwickelt haben. Eckhart Gillen äußerte: „Die verschiedenen Formen der Kunst transportieren mentale, kulturelle und politische Inhalte, ohne sie im Sinne politischer Botschaften zu instrumentalisieren. Indem die Bilder aus vier Jahrzehnten deutscher Nachkriegskunst in ihrer Vielfalt und in ihrer Gestaltungskraft in unsere Wahrnehmung rücken, entsteht eine neue Perspektive auf die geteilte Nachkriegsgeschichte.“
Stunde Null, 1945-49
Der Rundgang gliedert sich in vier Zeitabschnitte und beginnt mit der Stunde Null, 1945, und mit der Frage nach Kontinuität oder Neubeginn. Mit Werken von Karl Hofer und Hannah Höch beginnt man den Rundgang im ersten Saal; sie zeigen Menschen gruppiert in Szenen von Totentänzen und trauernden Frauen. Schwarzweiß-Fotos von Richard Peter sen., die 6er Serie „Dresden nach der Bombardierung vom 13/14. Februar 1945“, zeigen Bombenopfer und ihre Accessoires in den Trümmern von Dresden. Werke der Abstraktion aus der Schule der Bauhaus-Moderne werden mit figurativen Werken konfrontiert. Heinz Trökes Ölgemälde „Zwischen den Blöcken“ von 1947, eine im surrealistischen Stil dargestellte Szene schwebender Elemente zwischen zwei Mauer-Blöcken, ist vielleicht die erste Anspielung auf das, was noch kommen wird. Die Bronzeskulptur „Der Befreite“ von Georg Kolbe von 1945 sitzt nackt auf einem Stein und vergräbt sein Gesicht tief in seinen Händen - wohl befreit, doch trauernd, bedrückt und verängstigt sitzt er da und erinnert an den „Denker“ von Auguste Rodin, nur ist es hier eine zusammengebrochene Gestalt. In ihr spiegelt Kolbe die Erschütterung der Deutschen nach dem Kriegsende wider.
Streit um das Menschenbild in den 50er Jahren
Der Held der Zukunft ist das Sujet des Sozialistischen Realismus im Osten, während die informelle Malerei im Westen Ausdruck des befreiten Subjekts sein will. Denkmalwettbewerbe konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen. Siegesdenkmal in Ostberlin, das Buchenwald-Ehrenmal mit der Skulpturengruppe von Fritz Cremer in der DDR, das geplante Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen in Westberlin...
Zeitgenossenschaft: 1960 bis 1979
[caption id="attachment_2829" align="alignleft" width="300" caption="Jörg Immendorff, Café Deutschland, 1977/78, Museum Ludwig Köln © Jörg Immendorff estate, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln"]
Die Erweiterung des Kunstbegriffs und der künstlerische Gebrauch der neuen Medien stehen unter dem Begriff Zeitgenossenschaft. In diesen Jahren beginnt zugleich die historische und künstlerische Aufarbeitung des Nationalsozialismus sowie die Radikalisierung verschiedener politischer Gruppen und Künstlergruppen. Der Kapitalistische Realismus, inspiriert durch die amerikanische Pop Art, wird die Kunst des Wirtschaftswunders. Fluxus, Happening, Performance und Neue Medien erweitern den Kunstbegriff. Hier sind bedeutende Werke von Beuys, Uecker mit der Gruppe Zero, Vostell, Polke und Nam June Paik - seine Installation „Kuba“ von 1963, ein Fernsehgerät der Marke „Kuba“ - zu sehen. Sigmar Polke baut 1967 das Objekt "Kartoffelhaus", ein bissiger Kommentar auf die Welt des westdeutschen Kleinbürgers der Wirtschaftswunderjahre, für den Eigenheim und gefüllter Vorratskeller überwichtig scheinen. Eine Kritik und Warnung des Künstlers, dass durch die Konsumfreude der Blick auf die Geschichte verloren geht.
Wolf Vostells Bild „B-52 (Lippenstiftbomber)" von 1968 ist eine Kritik an der amerikanischen Regierung, die nach Vostells Meinung lieber Lippenstifte über Nord-Vietnam abwerfen sollte, als das Land zu bombardieren. Jörg Immendorff verurteilt Volf Wostells Position als westlichen Kultur-Imperialismus in seinem großformatigen Gemälde „Deutsche Künstler=Vostell“ von 1975, in dem er Vostell mit seinem Happening-Manifest in der Hand fliegend porträtiert. Immendorff ironisiert den Einfluss auf die Künstler seines ehemaligen Lehrers Beuys in seinem Ölgemälde „Beuysland“ und verurteilt die aus seiner Sicht korrumpierte Gesellschaft in seiner „Lidl"-Serie. In seinem berühmten Gemälde „Café Deutschland“ von 1977/78 dokumentiert er unter anderem seine Freundschaft zu dem bis 1980 in der DDR lebenden Künstler A. R. Penck, mit dem er in den 70er Jahren trotz des geteilten Deutschlands eine künstlerische Partnerschaft begann.
Weiterhin zu sehen sind Werke von Georg Baselitz („Bild für die Väter“, 1965), Thomas Bayrle („Nürnberger Orgie“, 1966), Markus Lüpertz („Dithyramb“, 1964), Gerhard Richter („Onkel Rudi“, 1965) oder Wolf Vostell („Auschwitz-Scheinwerfer 568“, 1958), denen das oft leidenschaftliche Bemühen um Aufklärung, Erinnerung und Anklage gemeinsam ist. Und ein solches Engagement wurde noch bis in die 80er Jahre fortgeschrieben, wie etwa die Bilder von so unterschiedlichen Künstlern wie Anselm Kiefer („Varus“, 1980), Olaf Metzel („Türkenwohnung. Abstand 12 000 DM VB“, 1982) oder Albert Oehlen („Führerhauptquartier“, 1984) erkennen lassen.
[caption id="attachment_2830" align="alignleft" width="266" caption="Bernard Heisig, Unterm Hakenkreuz, 1973, Staatliche Museen zu berlin, Nationalgalerie © 2009 Bernhard Heisig/VG Bild-Kunst Bonn"]
Die Installation von Raffael Rheinsberg „Hand und Fuß“ von 1980 mit 350 aufgereihten schwarzen Schuhen und Handschuhen, die er im Niemandsland der Berliner Mauer, nahe des Anhalter Bahnhofs, fand, stammen aus einem Zwangsarbeiterlager der NS-Zeit. Die Installation erhält durch das Licht der Installation von Wolf Vostells „Ausschwitz-Scheinwerfer 560“ von 1958 eine noch dramatischere Dimension. Die Gestaltung ist hier gut gelungen und Bernhard Heisigs bekanntes Ölbild „Unterm Hakenkreuz“ von 1973 hängt auch nicht weit entfernt.
1980-1989: Wahnzimmer Deutschland und Trauma der Vergangenheit
Das Werk von Lutz Dammbeck, „Nibelungen“ von 1986-1988 zieht hier das Auge des Besuchers besonders an. Der Künstler näht hier Bilder der Gesichtshälften von Baader und Ensslin mit Bildern von Werken vom NS-Bildhauer Arno Breker zusammen. Der Titel ist eine direkte Anspielung auf Hitlers Bewunderung für Richard Wagners „Ring der Nibelungen“.
Volker Stelzmann aus Dresden gibt eine Hommage an Rudi Dutschke mit seinem düsteren Ölbild „Für R. D.“ von 1981/82. Es zeigt Rudi Dutschke, der sich auf eine Badewanne stützt, Kopf nach unten gesenkt, eine direkte Anspielung auf seinen tragischen Tod. Georg Herold aus Jena überrascht mit seiner Installation „Laokoon“ von 1984, die aus einem alten Staubsauger und einem Audio-Band besteht, das die Rede von Hitler und Ulbricht über entartete Kunst von 1937 wiedergibt. Der Künstler war in der DDR inhaftiert, bevor seine Ausreise in den Westen 1973 genehmigt wurde.
Die Installation von Hans Haake, „Weite und Vielfalt der Brigade Ludwig“ von 1984 besteht aus zwei großformatigen Ölbildern, die über Eck durch ein Imitat der Berliner Mauer getrennt werden. Es ist mit das eindeutigste Werk der Ausstellung. Auf dem links hängenden Ölbild im sozialrealistischen Stil ist der Industrielle und Kunstmäzen Peter Ludwig mit Familie als Schokoladen-Patissier abgebildet. Das rechts von der Mauer hängende Gemälde zeigt eine Szene im Stil der westlichen Werbung für Trumpf-Schokolade, ein Produkt des Industriellen.
Im Ganzen stellt die Ausstellung eine beeindruckende, in ihrer Intensität und Dichte einzigartige Einführung in über 40 Jahre deutsch-deutsche Kunstgeschichte dar. Dass man die Ausstellung gleichwohl etwas unbefriedigt verlassen kann, liegt an der „Unterbelichtung“ des Kalten Krieges. Denn was hier unter dem Titel der Ausstellung geboten wird, ist vor allem eine Geschichte der deutschen Teilung und ihrer Verarbeitung in der Kunst. Die Erscheinungsformen des Kalten Krieges in der Kunst der beiden deutschen Staaten erhalten dafür weitere Aufmerksamkeit im Katalog der Ausstellung. Das Rahmenprogramm mit Filmvorführungen und Führungen durch „Kunst und Kalter Krieg - Deutsche Positionen 1945-89“ mit renommierten Künstlern ist vielversprechend.
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